Einen unbequemen Fragensteller nennt Thomas Lochte den Autor Hans Heinrich. Wer ist er? Wo kommt er her?

Geboren in München 1930: zu jung, um in der NS-Zeit schuldig zu werden, alt genug, um Kriegsnot und Bombenkrieg mitzuerleben.

Nach dem Studium an der Universität München geht er in den Schuldienst. Fünf Jahre danach legt er das Handbuch zur politischen Bildung vor.

Tätigkeit als Schulbuch-Autor, Gesamtauflage: eine knappe Million. Referate – u. a. an der Politischen Akademie in Tutzing –

begleiten die Schul- und Schreibarbeit.

Karriere- und Ämter-Ehrgeiz blieben Hans Heinrich fremd.

 

1991 betrat er die literarische Bühne mit dem Schauspiel König Jakob, uraufgeführt im Stadttheater Ingolstadt, mit eben dem Stoff, mit dem sich - zehn Jahre später – der Prosaband Besuch im Dorf beschäftigt.

 


 

Aus Interviews

 

Was veranlaßt Sie zu schreiben?
Goethe sagte: »Was mir nicht auf die Nägel brannte, das habe ich nicht ausgesprochen.«


Wollen Sie Ihrem Publikum gefallen?
Ja.

Es melden sich Beglückte, Entzückte, Enttäuschte, auch Ratlose.

Ich frage mit Friedrich von Logau:
»Leser, wie gefall ich Dir? Leser, wie gefällst Du mir?«
Ideologisch Verhärtete giften mich an.

Denen gibt Lichtenberg die Antwort:
»Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl,

das muß nicht allemal das Buch sein.«

Über die »Frau-Geschichten«

Sie legen Texte über Frauen vor, in denen Männer wichtige Rollen spielen.

Auch Frauen. Zum Beispiel in »Ruodliebs Neffe heiratet«.

 

Was interessiert Sie an dieser Geschichte?

Der öffentliche Mut, die Schlagfertigkeit, die Innovationskraft der jungen Frau.

 

Eine Anleitung für Frauen des 21. Jahrhunderts?

Eine Aufmunterung.

 

In der Geschichte »Die gerettete Ehre« dominiert auch eine resolute Frau.

Sie beseitigt die männlichen Gewalttäter und bewahrt sich vor öffentlicher Brandmarkung, das heißt, vor dem Verlust ihrer »Ehre«.

 

Sie kann aber ihre Schändung nicht verhindern.

Nicht verhindern kann sie ihre Defloration. Geschändet wird nicht die leidende Frau,

es schänden sich die beiden männlichen Gewalttäter.

Es wäre ein einseitiger Handel, stände es im Belieben eines jeden Schurken,

wen und was auch immer zu schänden, zu entehren, zu entwürdigen.

 

Man spricht aber auch von Kinderschändung.

Zu Unrecht. Kein Kind ist geschändet, weil ihm sexuelle Gewalt angetan wurde.

 

Und man sagt Grabschändung.

Wir heißen die Kirche, die Synagoge, den Friedhof geschändet –

was für eine Machtzuweisung denen, die Unrecht tun!

 

Die »bremische Gesina« paßt nicht so recht in Ihre Frau-Geschichten.

Giftmorde sind seit Alters her die Domäne der Frau.

 

Hat das mordende Scheusal aus Bremen gar Ihre Sympathie?

Verglichen mit den Toten,

die männliche Scheusale seit Jahrhunderten ungestraft produzieren ...

 

Männliche Scheusale?

Verglichen mit den Toten, die Monarchen, Präsidenten, Führer und Generäle produzierten und produzieren, sind die Gesina-Morde peanuts.

 

Wird man Sie Nestbeschmutzer schimpfen?

Nestbeschmutzer sind Nestreiniger.

 

Der Gretchenfrage weicht Hans Heinrich nicht aus:

»Wer seinen Gott lieben will, kann ihn im Mitmenschen lieben.

Statt Weihrauch zu verschwenden, kann er einen Hungrigen sättigen.«

 

Ihr Wunsch als Schriftsteller?
Ein »Kollege« gibt die Antwort:  »Wenn jeder meiner Freunde jedem seiner Freunde zwei meiner Bücher schenkte – darüber würde sich freuen – Oskar Maria Graf.«

Nachgefragt hat Brit-Antje Wittwer